Lanzinger: "Ich werde jetzt mehr als Mensch gesehen"

Seit Ihrem schweren Schiunfall in Norwegen und Ihren eindrucksvollen Schritten zurück ins Leben sind Sie für viele ein Vorbild geworden. Wie fühlt sich das für Sie an?
MATTHIAS LANZINGER: Ungewohnt, weil ich mich selber nicht als solches fühle. Nach meinem Unfall bin ich für meine Familie und für mich selbst wieder fit geworden. Es freut mich, wenn ich damit Menschen in schwierigen Zeiten Selbstvertrauen gegeben habe.

Viele Menschen sehen Sie wegen Ihrer Persönlichkeit als Vorbild. Ehrt Sie das?
LANZINGER: Das ehrt mich sehr, denn viele werden nur an ihren sportlichen Erfolgen gemessen. Ich werde jetzt mehr als Mensch gesehen und nicht mehr nach meinen sportlichen Leistungen beurteilt. Mein Charakter hat sich nicht geändert.

Nach Ihrem Sturz waren Sie unglaublich stark. Was raten Sie jenen, die gerade ebenfalls eine schwere Zeit durchmachen?
LANZINGER: Es kommt auf die Situation an. Den Leuten kann ich raten, dass sie ihre Freunde und ihre Familie schätzen, wenn es ihnen gut geht und dies nicht als selbstverständlich sehen. Außerdem soll man nach einer Krankheit oder einem Unfall die Dinge sehen, die man noch tun kann.

Zählen Ihre Eltern auch zu Ihren Vorbildern?
LANZINGER: Ja, vor allem mein Vater, aber nicht aus sportlicher Sicht, sondern was Ehrgeiz und Motivation angeht. Er war ehrgeizig und hat viel geschafft im Leben. Er hat mir gezeigt, dass man vieles erreichen kann und das hat mir bei meiner sportlichen Karriere geholfen.

Welcher Schisportler war in Ihrer Jugend Ihr persönliches Vorbild?
LANZINGER: Von der sportlichen Seite her war mein Vorbild Rudi Nierlich.

Hat er dazu beigetragen, dass Sie diesen Beruf wählten?
LANZINGER: In gewisser Weise ja. Andererseits habe ich nicht gesagt, ich will unbedingt werden, wie er, sondern sein Typ hat mich überzeugt.

Haben Sie jetzt noch ein Vorbild?
LANZINGER: Leider nicht, da Rudi Nierlich bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. In den letzten Jahren habe ich das Privileg gehabt, interessante Leute kennen zu lernen. Von denen versuche ich mir positive Eigenschaften heraus zu holen.

Sie arbeiten für eine Tageszeitung und für den ORF. Ist nun statt Rudi Nierlich Rainer Pariasek Ihr Vorbild?
LANZINGER (lacht): Eher nicht. Ich suche mir von jedem Reporter Dinge, die mir gefallen und entwickle meinen eigenen Stil. Ich will niemanden kopieren.

Welche Menschen würden Sie nie im Leben als Vorbild sehen?
LANZINGER: Regierungschefs und korrupte Beamte in Dritte-Welt-Ländern, die für sich selbst Profit herausschlagen. Leute, die mit der Ausübung von Krieg oder als Dopinghändler ihr Geld verdienen, sind auch keine Vorbilder.

Glauben Sie, dass es den dopenden Sportlern bewusst ist, wie viele Menschen sie damit enttäuschen?
LANZINGER: Wenn Sportler etwas nehmen, denken sie nicht nach. Wäre es ihnen bewusst, würden sie merken, dass das gesamte Umfeld und die Sportart betroffen ist. Für Jugendliche ist das besonders schlimm, denn ihnen wird das Vorbild “weggerissen”.

Als Sie das erste Mal wieder auf Schiern standen, ging ein Traum für Sie in Erfüllung. Wollen Sie sich in dieser Sportart wieder mit anderen messen?
LANZINGER: Ich hatte mein ganzes Leben auf den Schisport ausgerichtet. Ich bin Rennen gefahren, habe meine Ernährung umgestellt, den Sommer lang trainiert und bin am Wochenende nur selten ausgegangen. Wenn ich wieder in den aktiven Rennsport einsteigen würde, müsste ich mein Leben wieder umstellen. Für das habe ich nicht mehr die Motivation. Aber es kann sein, dass mir das Ganze einmal abgehen wird.

© Kleine Zeitung 2009

Lanzinger: "Ich werde jetzt mehr als Mensch gesehen"

Seit Ihrem schweren Schiunfall in Norwegen und Ihren eindrucksvollen Schritten zurück ins Leben sind Sie für viele ein Vorbild geworden. Wie fühlt sich das für Sie an?
MATTHIAS LANZINGER: Ungewohnt, weil ich mich selber nicht als solches fühle. Nach meinem Unfall bin ich für meine Familie und für mich selbst wieder fit geworden. Es freut mich, wenn ich damit Menschen in schwierigen Zeiten Selbstvertrauen gegeben habe.

Viele Menschen sehen Sie wegen Ihrer Persönlichkeit als Vorbild. Ehrt Sie das?
LANZINGER: Das ehrt mich sehr, denn viele werden nur an ihren sportlichen Erfolgen gemessen. Ich werde jetzt mehr als Mensch gesehen und nicht mehr nach meinen sportlichen Leistungen beurteilt. Mein Charakter hat sich nicht geändert.

Nach Ihrem Sturz waren Sie unglaublich stark. Was raten Sie jenen, die gerade ebenfalls eine schwere Zeit durchmachen?
LANZINGER: Es kommt auf die Situation an. Den Leuten kann ich raten, dass sie ihre Freunde und ihre Familie schätzen, wenn es ihnen gut geht und dies nicht als selbstverständlich sehen. Außerdem soll man nach einer Krankheit oder einem Unfall die Dinge sehen, die man noch tun kann.

Zählen Ihre Eltern auch zu Ihren Vorbildern?
LANZINGER: Ja, vor allem mein Vater, aber nicht aus sportlicher Sicht, sondern was Ehrgeiz und Motivation angeht. Er war ehrgeizig und hat viel geschafft im Leben. Er hat mir gezeigt, dass man vieles erreichen kann und das hat mir bei meiner sportlichen Karriere geholfen.

Welcher Schisportler war in Ihrer Jugend Ihr persönliches Vorbild?
LANZINGER: Von der sportlichen Seite her war mein Vorbild Rudi Nierlich.

Hat er dazu beigetragen, dass Sie diesen Beruf wählten?
LANZINGER: In gewisser Weise ja. Andererseits habe ich nicht gesagt, ich will unbedingt werden, wie er, sondern sein Typ hat mich überzeugt.

Haben Sie jetzt noch ein Vorbild?
LANZINGER: Leider nicht, da Rudi Nierlich bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. In den letzten Jahren habe ich das Privileg gehabt, interessante Leute kennen zu lernen. Von denen versuche ich mir positive Eigenschaften heraus zu holen.

Sie arbeiten für eine Tageszeitung und für den ORF. Ist nun statt Rudi Nierlich Rainer Pariasek Ihr Vorbild?
LANZINGER (lacht): Eher nicht. Ich suche mir von jedem Reporter Dinge, die mir gefallen und entwickle meinen eigenen Stil. Ich will niemanden kopieren.

Welche Menschen würden Sie nie im Leben als Vorbild sehen?
LANZINGER: Regierungschefs und korrupte Beamte in Dritte-Welt-Ländern, die für sich selbst Profit herausschlagen. Leute, die mit der Ausübung von Krieg oder als Dopinghändler ihr Geld verdienen, sind auch keine Vorbilder.

Glauben Sie, dass es den dopenden Sportlern bewusst ist, wie viele Menschen sie damit enttäuschen?
LANZINGER: Wenn Sportler etwas nehmen, denken sie nicht nach. Wäre es ihnen bewusst, würden sie merken, dass das gesamte Umfeld und die Sportart betroffen ist. Für Jugendliche ist das besonders schlimm, denn ihnen wird das Vorbild “weggerissen”.

Als Sie das erste Mal wieder auf Schiern standen, ging ein Traum für Sie in Erfüllung. Wollen Sie sich in dieser Sportart wieder mit anderen messen?
LANZINGER: Ich hatte mein ganzes Leben auf den Schisport ausgerichtet. Ich bin Rennen gefahren, habe meine Ernährung umgestellt, den Sommer lang trainiert und bin am Wochenende nur selten ausgegangen. Wenn ich wieder in den aktiven Rennsport einsteigen würde, müsste ich mein Leben wieder umstellen. Für das habe ich nicht mehr die Motivation. Aber es kann sein, dass mir das Ganze einmal abgehen wird.

© Kleine Zeitung 2009